top of page

Im Blogbeitrag Klassenwerte und Klassenregeln in der Schule hatte ich mich ja intensiver mit der Frage beschäftigt, ob Klassenwerte oder Klassenregeln die bessere Grundlage für ein gutes Miteinander sind. Dabei wurde deutlich: Regeln bieten Orientierung und Sicherheit, während Werte langfristiger wirken, weil sie auf einer tieferen Ebene verankert werden. Doch was, wenn wir beides miteinander verbinden?


Die Antwort sind Absprachen – klar, fokussiert und für alle leicht verständlich. Statt langer Listen von Regeln oder abstrakten Begriffen wie „Toleranz“ oder „Fairness“ bieten die sechs Absprachen eine reduzierte, einprägsame Grundlage, die den Unterricht strukturiert und das Klassenklima stärkt.



Ein mögliches Tafelbild zu den 6 zentralen Absprachen fürs Miteinander (mit meinem Material dazu)
Ein mögliches Tafelbild zu den 6 zentralen Absprachen fürs Miteinander (mit meinem Material dazu)

Warum Absprachen so kraftvoll sind


  • Einfach & überschaubar: Sechs Kernbotschaften, die alle Kinder verstehen und sich merken können.

  • Positiv formuliert: Statt „Wir schreien nicht“ heißt es „Wir sprechen leise“. Das gibt Orientierung, ohne zu belehren.

  • Verbindend: Absprachen werden gemeinsam eingeführt, reflektiert und gelebt – nicht von oben „verordnet“.

  • Flexibel einsetzbar: Sie lassen sich in jeder Klassenstufe nutzen, von der 1. Klasse bis in die Sekundarstufe, und können an die Klassensituation angepasst werden.


Umsetzungen der Absprachen mit meinem Material:

Vielen lieben Dank für euren Bilder und kreativen Umsetzungen!




Die 6 zentralen Absprachen im Überblick


1. Wir sind freundlich

  • Wir begrüßen uns, lächeln und sprechen freundlich miteinander.

  • Wir helfen, wenn jemand Unterstützung braucht.


Praxisbeispiel: Der Schultag beginnt mit einer Begrüßung an der Tür. Kinder, die freundlich „Guten Morgen“ sagen, fühlen sich selbst gesehen und stärken gleichzeitig das Miteinander.



2. Wir sind respektvoll

  • Wir hören zu und lassen andere ausreden.

  • Wir achten auf die Gefühle, Meinungen und Grenzen aller.


Praxisbeispiel: Im Gesprächskreis erinnern die Absprachen daran, dass niemand unterbrochen wird. So lernen Kinder, zuzuhören und unterschiedliche Sichtweisen zu akzeptieren.



3. Wir sind zuverlässig

  • Wir halten uns an Absprachen.

  • Wir übernehmen Verantwortung für unser Handeln.


Praxisbeispiel: Wenn die Klasse vereinbart, dass alle am Freitag ihre Hausaufgabenmappe abgeben, trägt jede*r die Verantwortung dafür – die Lehrkraft muss nicht dauernd erinnern.



4. Wir sind achtsam

  • Wir gehen sorgsam mit Materialien, Raum und Umwelt um.

  • Wir konzentrieren uns auf das, was wir gerade tun.


Praxisbeispiel: Nach einer Bastelstunde legen die Kinder ihre Scheren, Kleber und Papier ordentlich zurück. Die Absprachen helfen, Verantwortung für den gemeinsamen Raum zu übernehmen.




5. Wir sind rücksichtsvoll

  • Wir wahren persönliche Grenzen und gehen friedlich miteinander um.

  • Wir sprechen in einer angemessenen Lautstärke und arbeiten leise, wenn es nötig ist.


Praxisbeispiel: Beim Partnerpuzzle achten die Kinder darauf, dass niemand zu laut ist und jede*r in Ruhe arbeiten kann. Rücksichtnahme wird so zur Selbstverständlichkeit.



6. Wir sind ein Team

  • Wir unterstützen uns gegenseitig.

  • Wir feiern Erfolge gemeinsam und halten in schwierigen Momenten zusammen.


Praxisbeispiel: Nach einer gelungenen Präsentation gibt es Applaus für die Gruppe – kleine Rituale zeigen, dass die Klasse zusammensteht.



Einsatzmöglichkeiten der Absprachen fürs Miteinander im Unterricht


Die sechs Absprachen lassen sich flexibel nutzen:


  • Schuljahresanfang: Gemeinsam einführen, z. B. durch Rollenspiele („Wie sieht Freundlichkeit im Alltag aus?“).

  • Klassenzimmergestaltung: Die Absprachen als Poster aufhängen oder in Schülerhand gestalten lassen (Ausmalvorlagen, eigene Symbole, Collagen).

  • Reflexion: Am Ende der Woche besprechen: „Welche Absprachen haben wir gut umgesetzt? Wo brauchen wir noch Übung?“

  • Konfliktlösung: Bei Streit können die Kinder selbst prüfen: „Welche Absprache haben wir heute nicht beachtet?“

  • Verbindung zu Klassenregeln: Wenn eine Schule auf Regeln besteht, können die Absprachen parallel genutzt und als „positive Ergänzung“ erklärt werden.




Vorteile von Absprachen / Klassenwerten

✅ Weniger Regeln – mehr Klarheit

✅ Positive Sprache stärkt Motivation

✅ Werte werden konkret und alltagstauglich

✅ Kinder fühlen sich einbezogen und ernst genommen

✅ Geeignet für Grundschule und Sekundarstufe


Mögliche Herausforderungen

⚠️ Einführung braucht Zeit – besonders am Anfang des Schuljahres.

⚠️ Konsequenz ist entscheidend – Lehrkräfte und Schüler*innen müssen gemeinsam auf die Einhaltung achten.

⚠️ Anpassung an das Alter – in höheren Klassen sollten die Absprachen stärker diskutiert und gemeinsam weiterentwickelt werden.




FAQ zu Absprachen im Klassenzimmer



Sind Absprachen nur für jüngere Kinder geeignet?

Nein, auch in höheren Klassen sind sie sinnvoll. Ältere Schüler*innen können sogar eigene Beispiele einbringen und die Absprachen vertiefen.


Was unterscheidet Absprachen von Regeln?

Regeln sind meist strenger und verbotsorientiert, Absprachen hingegen sind positiv formuliert und stärker wertebasiert.


Wie führe ich Absprachen ein?

Schritt für Schritt: Eine Stunde zum Einstieg, gemeinsames Erarbeiten von Beispielen, Visualisierung im Klassenraum. Wiederholung macht sie selbstverständlich.


Passen Absprachen zu bestehenden Schulregeln?

Ja – sie ergänzen diese sogar, indem sie den Alltag positiver und leichter handhabbar machen.


Kann ich Absprachen individuell anpassen?

Natürlich. Jede Klasse ist einzigartig. Die sechs zentralen Absprachen sind eine Basis, die ergänzt oder vereinfacht werden kann.

 
 
 

Kinder haben oft ganz unterschiedliche Bedürfnisse: Sie wollen eine Frage stellen, brauchen Hilfe, möchten etwas trinken oder müssen dringend zur Toilette. Im hektischen Schulalltag führt das schnell zu Zwischenrufen oder Unruhe – und genau hier helfen Handsignale.


Mit einfachen Gesten können Schüler*innen zeigen, was sie brauchen, ohne den Unterrichtsfluss zu stören. Statt „Frau Müller, ich muss mal!“ reicht ein hochgehaltener Finger oder ein überkreuzter Finger (die „stille Toilette-Geste“) und schon versteht die Lehrkraft, worum es geht.



Handsignale im Unterricht


Warum Handsignale im Unterricht sinnvoll sind


  • Ruhe im Unterricht: Statt ständigen Unterbrechungen können Kinder ihre Anliegen leise mitteilen.

  • Klarheit für alle: Jedes Signal hat eine feste Bedeutung – das macht Abläufe vorhersehbar.

  • Förderung von Selbstständigkeit: Kinder lernen, sich selbst einzuschätzen und mit kleinen Bedürfnissen eigenständig umzugehen.


Gerade zu Beginn eines Schuljahres lohnen sich solche Absprachen / Handsignale im Unterricht. Es dauert vielleicht ein paar Tage, bis die Zeichen sitzen – aber danach profitieren alle.


Das Mysterium um das doppelte Toilettenzeichen:




Vor- und Nachteile / Herausforderungen von Handsignalen in der Schule

Vorteile Handsignale

Nachteile / Herausforderungen

Ruhiger Unterricht – weniger Zwischenrufe, mehr Konzentration

⚠️ Gute Einführung nötig – Kinder müssen die Zeichen erst üben

Klare Struktur – jedes Signal ist eindeutig und schnell verständlich

⚠️ Einheitliche Nutzung – alle müssen konsequent mitmachen, sonst verpufft die Wirkung

Selbstwirksamkeit – Kinder wissen, dass sie sich melden können, ohne zu stören

⚠️ Manche Signale können ähnlich wirken – braucht am Anfang klare Absprachen




FAQ zu Handsignalen im Unterricht


Sind Handsignale nicht zu kompliziert für jüngere Kinder?

Nein, gerade jüngere Kinder lernen Gesten sehr schnell. Wichtig ist, die Anzahl der Signale am Anfang klein zu halten (z. B. nur „Frage“, „Antwort“, „Toilette“).


Wie führe ich Handsignale in meiner Klasse ein?

Am besten in einer eigenen Unterrichtsstunde, spielerisch und mit Wiederholung. Ein kleines Plakat an der Tafel hilft zur Erinnerung.


Stören die Gesten nicht beim Unterricht?

Im Gegenteil: Sie sind leiser und unauffälliger als Rufe oder lange Diskussionen. Nach einer Eingewöhnungszeit nutzen Kinder sie ganz selbstverständlich.


Was tun, wenn Kinder die Signale falsch nutzen?

Gelassen bleiben und kurz erinnern: „Das war das Zeichen für Hilfe, nicht für Toilette.“ Klare Regeln und Geduld sind hier entscheidend.


Kann man die Signale individuell anpassen?

Unbedingt! Jede Klasse ist anders – ob überkreuzte Finger für Toilette oder ein Daumen hoch für „Ja“: Wichtig ist nur, dass es für alle klar abgesprochen ist.


 
 
 

Klassenwerte als Alternative zu Klassenregeln – Warum es sich lohnt, umzudenken


Viele Lehrkräfte starten das Schuljahr mit einem Set an Klassenregeln. „Wir hören einander zu“, „Wir melden uns, bevor wir sprechen“ oder „Wir gehen respektvoll miteinander um“ – solche Regeln geben Orientierung und sorgen für einen geordneten Ablauf im Klassenzimmer.

Doch immer mehr Schulen entdecken eine Alternative zu klassischen Klassenregeln: Klassenwerte. Statt konkrete Handlungsanweisungen festzulegen, richtet sich der Blick auf die gemeinsame Haltung. Werte wie Respekt, Hilfsbereitschaft, Ehrlichkeit oder Mut bilden die Grundlage für das Miteinander – und wirken oft nachhaltiger als einzelne Regeln.


Zu meinem begleitenden Material:


Klassenwerte Karten in der Schule
Klassenwerte visualisiert mit meinen Klassenwerte-Karten

Gründe für Klassenregeln + Klassenwerte in der Schule:

Top 10 Gründe für Klassenregeln

(kurz: konkrete, sichtbare Handlungsorientierung)

Top 10 Gründe für Klassenwerte

(kurz: innere Haltung &

langfristige Orientierung)

1. Klare Orientierung – Regeln geben Sicherheit, weil alle wissen, was erwartet wird.

1. Tiefe Verankerung – Werte prägen Entscheidungen auch ohne konkrete Regel.

2. Gleichbehandlung – Einheitliche Regeln sorgen für Fairness und vermeiden Willkür.

2. Selbstverantwortung fördern – Kinder reflektieren ihr Handeln eigenständig.

3. Schnell umsetzbar – Kinder können sich direkt daran halten, ohne lange Erklärungen.

3. Langfristige Wirkung – Werte begleiten über die Schule hinaus.

4. Konfliktprävention – Klare Absprachen beugen Streit vor.

4. Individuelle Lösungen ermöglichen – Werte lassen Raum für situatives Handeln.

5. Unterrichtsfluss sichern – Weniger Unterbrechungen, mehr Lernzeit.

5. Konfliktlösungskompetenz stärken – Entscheidungen orientieren sich am Miteinander, nicht nur an „erlaubt/verboten“.

6. Verbindlichkeit schaffen – Regeln sind messbar und überprüfbar.

6. Identität und Kultur aufbauen – „So sind wir als Klasse“ wird Teil der Gemeinschaft.

7. Rituale unterstützen – Feste Abläufe geben Struktur im Alltag.

7. Motivation steigern – Positive Leitbilder wirken inspirierend, nicht belehrend.

8. Schnelles Eingreifen ermöglichen – Bei Regelverstößen ist klar, wie gehandelt wird.

8. Perspektivwechsel trainieren – Werte laden ein, andere Sichtweisen zu verstehen.

9. Gemeinschaftsgefühl stärken – „Unsere Regeln“ als gemeinsames Projekt.

9. Flexibilität in neuen Situationen – Auch ohne vorherige Regel Orientierung finden.

10. Übergänge erleichtern – Besonders bei neuen Klassen oder Lehrkraftwechseln.

10. Übergang zu Eigenregulation – Kinder entwickeln ein inneres Wertesystem.


Mein Material zu den Klassenwerten und Klassenregeln



NEU NEU NEU NEU NEU NEU NEU

Top-Alternative 2025: 6 Zentrale Absprachen für die Klasse (Klassenwerte mit Fokus sozusagen):


Aus eurem Feedback und einer Fokussierung sind diese 6 Absprachen entstanden. (Aufs Foto klicken für Infos!)
Aus eurem Feedback und einer Fokussierung sind diese 6 Absprachen entstanden. (Aufs Foto klicken für Infos!)

Warum Klassenwerte in der Schule sinnvoll sind


Klassenwerte wirken wie ein innerer Kompass. Sie helfen Kindern und Jugendlichen, auch in Situationen gute Entscheidungen zu treffen, für die es keine festgeschriebene Regel gibt. Während eine Regel oft auf „Darf ich?“ oder „Darf ich nicht?“ hinausläuft, regen Werte dazu an, selbst Verantwortung zu übernehmen.

Besonders in der Grundschule lernen Kinder so, ihr Verhalten nicht nur an äußeren Vorgaben, sondern an inneren Überzeugungen auszurichten. In der Sekundarstufe I kann dieser Ansatz helfen, Eigenständigkeit, kritisches Denken und soziales Verantwortungsbewusstsein weiterzuentwickeln.


Testest du im nächsten Schuljahr Klassenregeln oder Klassenwerte in der Schule?



Der Unterschied: Klassenregeln vs. Klassenwerte


  • Klassenregeln sind konkret, überprüfbar und direkt umsetzbar. Sie beantworten die Frage: „Was machen wir (oder lassen wir) im Unterricht?“

  • Klassenwerte sind grundsätzliche Haltungen und Leitlinien. Sie beantworten die Frage: „Warum verhalten wir uns so?“


Beide Konzepte können sich ergänzen. Manche Klassen starten mit Werten und leiten daraus passende Regeln ab, andere behalten beides nebeneinander. Entscheidend ist, dass Kinder die Formulierungen verstehen, sich damit identifizieren und im Alltag darauf zurückgreifen können.


Wie Klassenwerte in der Praxis wirken


Statt „Kein Auslachen“ steht auf dem Klassenplakat vielleicht „Wir gehen wertschätzend miteinander um“. Das klingt nicht nur positiver, sondern eröffnet auch Raum für Gespräche: „Was bedeutet Wertschätzung? Wie kann ich sie zeigen?“

Diese Gespräche fördern soziales Lernen, stärken das Gemeinschaftsgefühl und helfen, Konflikte fair zu lösen. Auch Eltern und Fachkräfte erleben oft, dass Klassenwerte langfristig wirken – weil sie nicht an ein einzelnes Schuljahr gebunden sind, sondern zu einem Teil der Klassengemeinschaft werden.


 
 
 
bottom of page